Am Anfang war … der Planet Erde – Raum mit Leben  – Die Biosphäre

Autobahnschild

„… Mitentscheidend für den Erfolg eines Biosphärenreservates ist seine Akzeptanz bei der ortsansässigen Bevölkerung… Es bedarf sorgfältiger Beratung und Planung sowie eines kontinuierlichen Dialoges, der mit viel Feingefühl, Verständnis und Fantasie geführt werden muss…“

[Auszug aus den Kriterien für die Anerkennung und Überprüfung von Biosphärenreservaten der UNESCO in Deutschland, 2007]


Von der Gunst des Augenblicks

und feinfühligen Dialogen mit Fantasie

Zu den räumlichen Erkennungsmerkmalen der deutschen Biosphärenreservate gehören auch die Portalschilder an den Autobahnen, die Menschen beim Vorbeifahren einen Hinweis – idealer Weise auch einen Impuls – zum Anliegen des jeweiligen Biosphärenreservates und seinen regionalen Schwerpunktthemen geben können.

Von Zeichen und Symbolen

Eine verständliche und glaubwürdige Bildsprache für einen „Augenblick“ zu gestalten, kommt bei näherer Betrachtung eine nicht unerhebliche Bedeutung zu, denn sie wird von unzähligen vorbeifahrenden Menschen wahrgenommen und kann zum Anker von Gedanken über die jeweilige Region werden, selbst wenn diese sie nur durchreisen.
Die Herausforderung bestand also darin, trotz der strengen Gestaltungsauflagen für Autobahnschilder in Deutschland, eine symbolische Essenz des Biosphärenreservates Bliesgau zu finden, die in einem Augenblick den vorbeihuschenden Menschen einen Impuls schenkt. Einen Impuls in Form einer feinfühligen Bilderzählung, die Verständnis weckt, die neugierig macht, die Kraft der Fantasie entfacht und zuletzt auch noch die vorbeifahrenden Menschen zu einem Dialog mit ihren eigenen Bildern über die Zukunft unseres Planeten – die Biosphäre – einlädt.

Unmöglich?

Man sollte wissen, dass Biosphärenreservate auf der Suche nach nachhaltigen Lebensformen durchaus einen Forschungsauftrag haben, will heißen, Labore zur Kunst des Überlebens sind: für Mensch und Natur. Experimente gehören also zum Auftrag und viele Menschen sollten daran teilhaben!
Soviel vorab.

Von Zeichen und Symbolen
und der Schöpfungskraft der Natur

margar schnecke 

Menschen sind von Natur aus neugierig, vielleicht gerade dann, wenn sie sich in ihr aufhalten. Sie können Fantasie entwickeln und sind in der Lage, durch Zeichen bzw. Symbole, gedankliche Brücken zu Themen zu schlagen, die unvergesslich bleiben.
Diese Zeichen und Symbole können in Bruchteilen von Sekunden vom menschlichen Auge erfasst werden. Sie können zudem mehr verraten, als der erste Blick zulässt und sind sozusagen in der Lage, ganze Geschichten zu erzählen, wenn die Fantasie geweckt wird. Schließlich gehören sie zu den Urformen der menschlichen Kommunikation, denn sie bewirken in bestimmten Situationen erhöhte Aufmerksamkeit.
Gelegentlich sagt die Bildsprache mehr als tausend Worte, insbesondere wenn es um die Schöpfungskraft der Natur geht.
Damit Menschen die Bildsprache von Zeichen und Symbolen mit Neugierde entschlüsseln können, brauchen sie neben der Fantasie idealer Weise jedoch auch einen Bezug und Wissensbausteine zum jeweiligen Thema. Im besten Fall kommt es zum Dialog (zunächst wohl eher mit dem Beifahrer), einer Wissenserweiterung (wenn weitere Informationen bereit stehen, etwa im Internet) und schließlich, dank neuem Wissen und neuer Erkenntnis, zu einer Identifizierung, die gerne weiterverbreitet wird.
Soweit zur Theorie.

Mitwisser und Mitgestalter werden

Wir haben zu den elementaren Grundgedanken und dem daraus resultierenden Auftrag des Biosphärenreservates Bliesgau eine Bilderzählung für den „Augenblick“ entworfen, die auf die Schöpfungskraft der Natur anspielt. Seit seinem Ursprung nutzt der Mensch die Sprache der Zeichen und Symbole zur Kommunikation, um dem Ausdruck zu verleihen, was die Sprache oft nicht zu leisten vermag.

Sind Sie neugierig geworden und bereit zum Mitwisser und Mitgestalter unseres Lebensraumes zu werden?

Sie sind eingeladen, die Botschaft der Zeichen und Symbole unserer Bilderzählung mit Ihren Augen zu lesen, um sie mit Ihrer persönlichen Kreativität und Fantasie fortzuschreiben und vor allem sollten Sie sie weiter verbreiten.

jeder Beitrag zählt

Diese Bildergeschichte für den flüchtigen Augenblick ist nun auf den erwähnten Portalschildern an den Autobahnschildern im Biosphärenreservat Bliesgau zu sehen. Sie soll Neugierde wecken, das nötige Hintergrundwissen haben wir für Sie zum Nachlesen aufbereitet.
Lassen Sie sich zu Ihrer ganz persönlichen Geschichte über einen außergewöhnlichen Lebensraum – den Bliesgau – inspirieren, denn er hat die Chance bekommen, mit den hier lebenden und wirtschaftenden Menschen beispielhafte Konzepte zum Schutz, zur Pflege und nachhaltiger Entwicklung dieses Lebensraumes zu gestalten und umzusetzen!
Wir stehen sozusagen weltweit Modell für nachhaltige Lebensformen!
Als Mitwisser, Mitgestalter und Mitdenker sind Sie im Biosphärenreservat Bliesgau unverzichtbar und können dabei mitwirken, damit unser Lebensraum – die Biosphäre – für die Menschen in der Gegenwart und in der Zukunft in seiner Fülle bewahrt bleibt!

Nutzen Sie den Augenblick!

Bildsprache der Portalschilder an den Autobahnen im Biosphärenreservat Bliesgau

SYMBOL 1 | Der Planet Erde – Die Biosphäre

erde earth

Am oberen Bildrand ist die Weltkugel mit dem Ausschnitt Afrika-Eurasien zu sehen. Der Begriff Biosphäre (griechisch, βίος bíos ‚Leben‘ und σφαίρα sphaira ‚Kugel‘) bezeichnet den Raum mit Leben eines Himmelskörpers (Quelle: wikipedia.org). Diese „Lebenskugel“ Erde ist von der Bedeutung der Ursprung der Idee, diesen globalen „Raum mit Leben“, der in seinem Gefüge die unterschiedlichsten Lebensräume beherbergt, nachhaltig zu schützen und zu bewahren: BIOSPHÄREN (Lebensräume) RESERVATE (bewahren).
Die Erde ist in der Gegenwart durch Raubbau der Menschheit in seiner Überlebenskraft akut gefährdet. Weltweit haben sich 651 Biosphärenreservate (Stand: Juni 2015) mit ihren Potentialen auf den Weg gemacht, dagegenzusteuern und ein verträgliches und dauerhaftes Miteinander von Mensch und Natur zu entwickeln und zu erproben. Das Biosphärenreservat Bliesgau zählt europaweit zu den artenreichsten Lebensräumen und forscht und experimentiert mit seinen Möglichkeiten nach Lösungen, wie sich der Schutz der biologischen Vielfalt, das Streben nach wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung und die Erhaltung kultureller Werte miteinander versöhnen lassen.

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Was ist ein Biosphärenreservat?
1970 rief die UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization“, „Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur“) die Biosphärenreservate ins Leben. Sie sind ein wesentlicher Teil des Programms „Mensch und Biosphäre“ mit dem Ziel, durch beispielhafte Maßnahmen ein verträgliches und dauerhaftes Miteinander von Mensch und Natur zu entwickeln und zu erproben. Bis Juni 2015 sind auf unserer Erde 651 Biosphärenreservate in 120 Ländern entstanden. Die Biosphärenreservate schützen und bewahren die natürlichen Lebensräume von Mensch und Natur. Ihr Ziel ist es, dass an die Stelle einer bedenkenlosen Naturbeherrschung durch den Menschen die Beherrschung des Verhältnisses von Mensch und Natur tritt.
Weltweit wurden Biosphärenreservate – Regionen mit bestimmten Merkmalen und Ressourcen – ausgewählt, in denen nachhaltiges Leben und Wirtschaften unter Realbedingungen erprobt und erforscht wird. BIOSPHÄREN (Lebensräume) RESERVATE (bewahren) gelten daher als „Labore“ für nachhaltige Entwicklung, die ihre Erkenntnisse regional und überregional beispielgebend verbreiten.
(Quelle: Leitbild von EUROPARC (Dachverband der Nationalparks, UNESCO-Biosphärenreservate und Nationalparks, Nationale Naturlandschaften, www.europarc-deutschland.de)

Welche besonderen Merkmale zeichnen das Biosphärenreservat Bliesgau aus?
Als 15. Region in Deutschland wurde das Biosphärenreservat Bliesgau 2009 von der UNESCO in dieses weltweite Netzwerk der Biosphärenreservate aufgenommen. Die Region des Bliesgaus liegt mit einer Fläche von 36.152 ha im südöstlichen Saarland. An einer der Nahtstellen Europas begegnen sich hier die deutsche und französische Kultur. Dieser Lebensraum, unmittelbar an der Grenze zu Frankreich (Lothringen), gehört heute zur Großregion Saarland-Lothringen-Luxembourg (Saar-Lor-Lux).
Zu den besonderen Merkmalen dieser alten Kulturlandschaft gehört seine relativ städtische Prägung mit einer Bevölkerungsdichte über dem Bundesdurchschnitt. Städtische, ländliche und natürliche Räume, durchzogen vom Wasserlauf der Blies, stehen an der Schwelle zu einer fruchtbaren Wechselwirkung. Die Jahrtausende lange Nutzung durch den Menschen hat hier ineinandergreifende Lebensräume entstehen lassen, die europaweit zu den artenreichsten zählen. Charakteristisch ist die Vielfalt der Landschaft mit einem Ineinandergreifen verschiedener Groß- und Kleinstlebensräume. Auf den Muschelkalkböden des Bliesgaus kann man nahezu die Hälfte der in Deutschland vorkommenden Orchideenarten bewundern. Die traditionelle, extensive Landwirtschaft ist hier heute noch deutlich an den kleinparzelligen, zum Teil heckengesäumten Äckern und Feldern zu erkennen. Die Landschaft ist geprägt durch die Kalk-Halbtrockenrasen, ausgedehnte, magere Flachlandmähwiesen, Buchenwälder auf Muschelkalk sowie auf Buntsandstein und die Auenlandschaft, insbesondere der Blies. Im Norden der markante Wechsel zum Buntsandstein mit städtischen Strukturen und großflächigen Buchenwäldern. Es gibt im Biosphärenreservat Bliesgau eine überdurchschnittliche Dichte an bedeutsamen Lebensraumtypen und -arten, was nicht zuletzt den wertvollen ausgedehnten Streuobstwiesen – mit einem großen Bestand von Apfelbäumen - zu verdanken ist. Zu den Tierarten, die sich im Bliesgau wieder eine Heimat gesucht haben, gehören u.a. Störche und Biber.

SYMBOL 2 | Die Spirale – Der goldene Schnitt

spirale ammonit


Aus der „Lebenskugel“ Erde, der Biosphäre, entspringt am geografischen Ort des Saarlandes mit seinem Biosphärenreservat Bliesgau eine Spirale. Es handelt sich in unserem Bild um die Darstellung der sogenannten „Goldenen Spirale“, die dem Phänomen des „Goldenen Schnitts“ zugeordnet ist und in der abendländischen Kultur eine lange Tradition hat.
Beim Anblick eines versteinerten Ammoniten, so wie man sie bis heute auf den Muschelkalkflächen des Bliesgaus finden kann, wird bei näherem Hinsehen eine „Goldene Spirale“ erkennbar. In der Besonderheit dieses in unserem Bliesgau-Ammoniten eingewobenen Symbols eröffnet sich eine Botschaft zur Überlebenskunst unserer Biosphäre, die von der Natur hervorgebracht wurde und an uns weitervermittelt wird:
Unsere „Goldene Spirale des Biosphärenreservates Bliesgau“ ist ein Abbild des Lebens auf dieser Erde [Raum mit Leben – Biosphäre], das sich nur in einer ausgeglichenen Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur entwickeln kann. Alle Kräfte, die Wachstum entfalten und die Balance halten, also ausgeglichen und symmetrisch sind, wirken in der Spirale. Gleichfalls verkörpert die Spirale auch die dynamischen Prinzipien von Wiedergeburt.
Die „Goldene Spirale“ unseres Bliesgau-Ammoniten lässt sich durch geometrische, ineinander verschachtelte Rechtecke konstruieren und ist mathematisch gesehen ein Sonderfall der logarithmischen Spirale. Diese lässt sich mittels rekursiver Teilung eines Rechtecks in je ein Quadrat und ein weiteres kleineres Rechteck konstruieren.

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Der „Goldene Schnitt“ entspricht einem bestimmten Teilungsverhältnis, bei dem das Ganze zum Größeren genau im selben Verhältnis wie das Größere zum Kleineren steht. Das Prinzip gehört zur wissenschaftlichen Erkenntnis der Mathematik und geht auf den berühmten griechischen Mathematiker Euklid zurück. Das griechische Symbol Φ (Phi) beschreibt den Goldenen Schnitt mathematisch mit der algebraischen Formel:
Φ = (1+√ 5)
            2
Der „Goldene Schnitt“ übersetzt jedoch auch Formen und Dynamiken, die in der Natur entstehen: lebenselementare Grundregeln von Proportionen wie zum Beispiel Harmonie, Regeneration und Gleichgewicht. Diese fundamentale Grundformel der Harmonie in der Natur lässt sich im Detail u.a. bei Pflanzen, Muscheln, Wind und Sternen entdecken und bewirkt so einen Bezug zu unserem alltäglichen Leben, bis hin zu unserem eigenen Körper.
Als „Göttliche Proportion“ ist das Phänomen zudem in anderen wissenschaftlichen Disziplinen, in der Kunst und in der Architektur bekannt.
Die „Goldene Spirale“, die wir in unserer Bilderzählung zeigen, entstammt den versteinerten Ammoniten des Bliesgau. Ammoniten sind ausgestorbene Kopffüßer, die mit der heute noch lebenden Gattung „Nautilus“ verwandt sind und man kann sie in den „Steinmeeren“ des Bliesgaus finden. Sie bezeugen, dass die Landschaft, in die der Bliesgau eingebettet ist, etwa vor 240 bis 230 Millionen Jahren zu einem großen Teil Meer war und bis heute überwiegend den Charakter der Muschelkalkfläche trägt, die erst im nördlichen Teil des Bliesgaus in Buntsandstein wechselt.
Beim Anblick eines Bliesgau-Ammoniten wird sofort die „Goldene Spirale“ erkennbar, sie vergrößert sich proportional zu Φ: dem „Goldenen Schnitt“.
(Quellen: Hans Walser: Der Goldene Schnitt, Stuttgart 1993, Priya Hemenway: Der geheime Code, Wien 2008, wikipedia.com)

SYMBOL 3 | „Adebar“ der fliegende Botschafter

symbol3
Der Überbringer unserer Biosphärenbotschaft aus dem Bliesgau ist „Adebar“, ein fliegender Weißstorch, der seit jeher ein Zeichen für den Ursprung neuen Lebens setzt. Er gilt als Glücksbringer und Orientierungskünstler zugleich und gewinnt in Spiralen an Höhe und damit an Überblick. In den Bliesgau sind die Weißstörche nach jahrzehntelanger Abwesenheit wieder zurückgekehrt. Adebar, der seine Artgenossen die „Bliestal-Störche“ vertritt, führt auf seiner Flugroute auf der „Goldenen Spirale“ durch die Szenen unserer Bilderzählung. Er steht symbolisch für das Verhältnis von Mensch und Natur und macht darauf aufmerksam, dass die Erhaltung der Artenvielfalt und Naturschutz durch den Menschen positiv beeinflussbar sind.

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Der Weißstorch ist auch als „Klapperstorch“ bekannt, denn diese Störche klappern lautstark mit dem Schnabel, etwa wenn sie ihren Partner am Nest begrüßen, balzen oder ihr Nest verteidigen. Bis heute hat sich im Volksmund – insbesondere bei Kindern – das Märchen bewahrt, der Klapperstorch bringe die Babys. Volkskundlich lässt sich u.a. damit herleiten, dass man noch bis vor wenigen Jahrzehnten der Ansicht war, die Zeugung und Geburt eines Kindes sei nichts für Kinderohren. In früheren Zeiten glaubte man jedoch auch, im Wasser seien die Seelen der Kinder zu Hause und dass Wasser mit dem Ursprung von neuem Leben in Verbindung steht. Der Weißstorch, der imposante Vogel, der zumeist am Wasser unterwegs ist, übernahm sozusagen eine symbolische Vermittlerfunktion. In Deutschland hat der Weißstorch auch den Spitznamen „Adebar“. Er rührt aus dem Mittelalter und bildet sich durch das altdeutsche Wort für Glück („Auda“) und die Endsilbe „bar“, die bringen oder tragen bedeutet.
Definitiv sind die langbeinigen Schreitvögel mit ihren langen breiten Schwingen ausgezeichnete Segel- und Langstreckenflieger, die gemeinsam mit ihrem Partner auf großen Reisig-Horsten, bevorzugt möglichst hoch, wie etwa auf Kirchtürmen, Schornsteinen oder Hausgiebeln, ihren Nachwuchs aufziehen und sie dort oben auch über das, was man zum Storchenleben wissen muss, unterrichten. Zu ihren Nahrungsmitteln gehören im Besonderen Frösche, Reptilien, Mäuse, Schnecken, Würmer und Insekten.
Weißstörche gehörten bis zum Ende der Nachkriegszeit zum Landschaftsbild des Bliesgaus. Die Flurbereinigungen und eine vielerorts trockengelegte Landschaft sowie der starke Pestizideinsatz einer intensiven landwirtschaftlichen Nutzung hat sie wohl danach aus unserer Heimat vertrieben. Danach wurden sie hier bestenfalls im Überflug auf ihrer Flugroute nach Afrika gesichtet.
Die Hauptlebensräume der Weißstörche, wie Überschwemmungsgebiete, Feuchtwiesen, seichte Gewässer, sind bis heute in der Region selten. Dennoch hat sich zum Ende des letzten Jahrhunderts ein Storchenpaar die Bliesaue, nahe der Gemeinde Beeden, wieder als Ort zur Aufzucht der Brut ausgesucht. Dies war der Beginn der Rückkehr der Weißstörche in den Bliesgau. Die „Bliesgau-Störche“ stehen im Biosphärenreservat Bliesgau symbolisch dafür, wie die Erhaltung der Artenvielfalt und Naturschutz durch den Mensch beeinflussbar sind. Durch großes bürgerschaftliches Engagement ist es im Bliesgau in den letzten Jahren gelungen, eine wahrnehmbare Verbesserung von Biotopen, d.h. eine Erweiterung von naturbelassenen oder renaturierten Lebensräumen zu erreichen. Dies hat den „Bliesgau-Störchen“ ein neues Zuhause geschenkt, zu dem sie immer wieder zurückkehren! Ein nachahmenswertes Modell dafür, bietet das Biotop Beeden auf einer etwa 130 m² großen Fläche. Im August treten die „Bliesgau-Störche“ über das Rhônetal und Gibraltar ihren weiten Flug ins Winterdomizil nach Zentralafrika an.
Quellen: SWR.de 1000 Antworten, www.aktion-storch.de, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, wikipedia.com

SYMBOL 4 | Der Apfelbaum – Symbol des Lebens
Baum

Der Apfelbaum mit der angestellten Leiter steht als Vertreter für die typischen Streuobstwiesen im Bliesgau und liefert uns in unserer Bilderzählung symbolisch einen Impuls aus dem verlassenen Paradies: einen Bezug zum biblischen „Baum der Erkenntnis“ oder „Lebensbaum“ und zur „Himmelsleiter“. Diese alten Symbole stehen mitunter für die Gestaltkraft des Menschen, der erkennen, erlernen und gestalten kann, was gut oder schlecht für das nachhaltige Miteinander von Mensch und Natur ist. Letztlich geht es um lebendige Beziehungen und Verantwortung für die Schöpfung - die Fülle des Lebens - die auch folgende Generationen genießen möchten.
Die Streuobstwiesen gelten mit ihren unterschiedlichen heimischen, vielfach über 100 Jahre alten, robusten und klimafesten Obstarten und -sorten zu den artenreichsten Biotopen im Biosphärenreservat Bliesgau. Sie gehören zum unverwechselbaren Landschaftsbild des Bliesgaus. Neben den beliebten Apfelbäumen, werden auf geeigneten Wiesen die verschiedensten Obstarten bzw. Sorten (Birne, Walnuss, Kirsche, Pflaume) kombiniert – wie gestreut – gepflanzt.

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Der Apfelbaum und seine Früchte gehören zur Familie der Rosengewächse. Vieles spricht dafür, dass der Apfelbaum der Lieblingsbaum der Menschen im Bliesgau ist. Verschiedenste Sorten, darunter auch sehr alte, werden zum Verzehr angeboten, zu Apfelsaft gekeltert, zu Schnaps gebrannt oder als Heilmittel verarbeitet. Der Apfelkuchen hat im Bliesgau eine besondere Ausprägung und gehört auf jeden Tisch. Eine Besonderheit im Bliesgau ist der Apfelsecco, gut gekühlt ein Genuss!
Der Obstanbau hat im Bliesgau seit Urzeiten eine große Bedeutung und wird zumeist in ausgedehnten Streuobstwiesen kultiviert. Diese gehören zu den markanten Landschaftsbildern des Bliesgaus, die seit Jahrhunderten diese alte Kulturlandschaft charakteristisch prägen. Die Streuobstwiesen bieten für die unterschiedlichsten Tierarten wie Insekten, Spinnentiere, Fasanen, Rebhühner, Rehe und Vögel einen nahrhaften Lebensraum.
Der Begriff der Streuobstwiesen erklärt sich wohl hauptsächlich dadurch, dass die Obstsorten auf den Wiesen vielfach als Hochstämme in Reihen, aber wie gestreut nebeneinander stehen. In der Streuung unterschiedlichster Sorten und Arten besteht hierzulande ein besonderer Anreiz und dies gibt den Streuobstwiesen noch einmal einen besonderen Wert. Neben den Apfelbäumen werden auf geeigneten Wiesen im Bliesgau die verschiedensten Obstarten bzw. Sorten kombiniert – wie gestreut – gepflanzt. Gelegentlich bleiben jedoch auch herabgefallene Früchte – wie gestreut – unter den Bäumen liegen.
Der Apfelbaum und seine Früchte haben zudem weltweit eine große Symbolkraft mit unterschiedlichsten Bedeutungen. So ist der Apfelbaum bereits in der Bibel ein Sinnbild für Lebensfülle und einer von Gott vollendeten Welt. Im Zusammenhang mit der Schöpfungsgeschichte, in der Adam und Eva als Vertreter der Menschheit eine entscheidende Rolle spielen, spielt der Apfelbaum als Baum des Lebens oder auch Paradiesbaum eine Hauptrolle: er ist der paradiesische Lebensbaum der Vollkommenheit, des ewigen Lebens, der letztlich aber auch über einen ungebetenen Gast, die „Paradies-Schlange“, zu Versuchung inspiriert und den „Sündenfall“ provoziert. Am Ende beschert der „Sündenfall“ für Eva und Adam dennoch die wohl wesentlichste Erkenntnis der Menschheit: sie sind nun mit ihrem Körper sterblich, aber viel bedeutender ist, dass sie nun differenzieren können, was gut und böse ist und sie können entsprechend entscheiden und Leben gestalten! Das Essen vom Baum der Erkenntnis kehrt die Perspektive auf eine Rückkehr ins Paradies für Menschen in Gestaltkraft und Hoffnung um.
Der Apfelbaum steht in unserer Bilderzählung daher für das Paradiesische der Schöpfung oder die ursprüngliche Vollkommenheit des Lebensraumes Erde - der Biosphäre - aber auch für die Fruchtbarkeit und die Liebe. Auf der anderen Seite stehen die Versuchungen, Sünde und Erkenntnis.
Nicht zuletzt ist an unseren Apfelbaum naheliegender Weise eine Leiter angelehnt, vordergründig zur Ernte der reifen Äpfel. Diese Leiter kann jedoch ebenfalls in einem anderen Zusammenhang betrachtet werden. Während die Leiter ganz allgemein und überkonfessionell als Symbol der Verbindung von Menschen zu höheren Sphären lesbar ist, steht sie im Christentum zudem für die Verbindung zwischen Himmel und Erde. Sie lädt ein, den göttlichen Plan Stufe um Stufe, von Generation zu Generation zu erkennen und zu leben. Folgt man der Bibel, stand diese Himmelsleiter ursprünglich im Paradies, ging aber nach dem Sündenfall verloren. Nachdenkenswert bringt das Symbol der Leiter jedoch den Aspekt der Kommunikation zwischen dem Menschlichen und dem Göttlichen und das Wesen der lebendigen Beziehungen ins Spiel: ein Miteinander in Wertschätzung, Toleranz, Respekt und Verantwortung für die Fülle des Lebens, sodass auch künftige Generationen davon profitieren können.
(Quellen: wikipedia.com, Die Bibel)

SYMBOL 5 | Der Mensch – Symbol des Bewahrers und Gestalters
Mensch

Auf dem Weg der „Goldenen Spirale“ steigt der Mensch auf seinem Weg der Erkenntnis Stufe für Stufe empor. Ihm wird zunehmend bewusst, dass er unter den Lebewesen auf dieser Erde, dank seiner Intelligenz und seiner Möglichkeit zum bewussten Sein, die Hauptverantwortung für diesen Lebensraum und die Schöpfung trägt. Dass er sprichwörtlich „Berge“ versetzten kann, wenn er erkennt, was Wesentlich ist an einem Leben in einem ausbalancierten Verhältnis zwischen den menschlichen Kulturen untereinander und mit der Natur. Durch Forschergeist und Experimentierfreude kann es ihm gelingen, alltagstaugliche und sinnstiftende Lebensformen zu „erfinden“ und weiterzuentwickeln. Die uns nicht zu Plünderern, sondern zu Bewahrern, Gestaltern unseres Lebensraumes und Friedensstiftern machen – auch für künftige Generationen.

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Vielleicht ist es doch noch nicht zu spät und es kann der Menschheit gelingen, die sukzessive Zerstörung unserer Lebensgrundlage durch den Raubbau mit den menschlichen und natürlichen Ressourcen dieser Erde – unserer Biosphäre – zu vermeiden. Dafür braucht es jedoch eine kollektive Wahrnehmung der gesellschaftlichen Verantwortung für diese einzigartige Schöpfung und diese beginnt bei jedem Einzelnen.
Menschen lernen von Geburt an von Vorbildern. Die UNESCO beruft darum weltweit Lebensräume mit besonderen Ressourcen, um dort nachhaltige (Über-)Lebensformen für Mensch und Natur beispielgebend zu erproben. Die Anerkennung zum Biosphärenreservat Bliesgau ist daher eng mit einem bürgernahen Forschungsauftrag verbunden, um diese Vision mit anregenden und alltagstauglichen Beispielen in Bewegung zu bringen. Der Schlüssel dazu ist Wissensaustausch, kreatives Querdenken zu spezifischen Themen unseres Lebensraumes, Experimentierfreude und Bekennermut.
Es ist genug für alle da! Ideen, die jeden Einzelnen von uns in „BeWEGung“ bringen, in eine Richtung, die uns erlaubt, ein erfülltes Leben zu führen, das neben der Selbstsorge auch die Vorsorge für künftige Generationen miteinschließt, werden gesucht! Es geht um ein bewegtes Gleichgewicht für Mensch, Natur und Lebensraum.
Menschen können in Biosphärenreservaten idealerweise vier wichtige Funktionen übernehmen:
1. Menschen schützen vor zerstörenden Eingriffen und erhalten wertvolle Lebensräume für Menschen sowie für Pflanzen und Tiere.
2. Menschen setzen sich dafür ein, dass in ihren Lebensräumen ein ausbalanciertes Verhältnis von Mensch und Natur entwickelt wird.
3. Menschen erforschen und entwickeln exemplarische Erkenntnisse über die Wechselwirkungen von wirtschaftlicher Nutzung und der Entwicklung von natürlichen Lebensräumen und tauschen sie aus, damit sie als wertvolle Anschauungsbeispiele für Umweltbildung sowie für wissenschaftliche Forschung dienen.
4. Menschen stiften Frieden.
(Quelle: Leitbild von EUROPARC)

SYMBOL 7 | Der Schmetterling – Symbol der Transformation

SchmetterlingAm Scheitelpunkt unserer „Goldenen Spirale“ übernimmt ein Schmetterling die Kernbotschaft unseres Bildes! Er repräsentiert nicht nur die außergewöhnliche Artenvielfalt im Biosphärenreservat Bliesgau, sondern gleichfalls auch das Potential des kreativen Wandels in der Natur – als Lernmodell für die Menschheit. Die Natur bietet uns am Beispiel der Entwicklung einer Raupe zum Schmetterling einen stillen, aber fantastischen Lehrmeister für den kreativen Wandel in eine höhere und qualitätsvolle Daseinsform, in der Toleranz, Respekt und Wertschätzung als Werkzeuge für kulturelle Nachhaltigkeit im Weltenkreis, der „Seele der Menschheit“ Flügel verleihen. Zeigt uns diese Metamorphose doch, was wir bei uns selbst möglicherweise ausgeblendet haben: in den Zellen einer Raupe ist bereits der Code dafür angelegt, wie sich die Art und Weise zu leben in der Zukunft verändern, sprichwörtlich entfalten soll, um in die nächste Sphäre zu gelangen. Beim Menschen gibt es hierzu Parallelen, vielleicht haben wir das vergessen und wir brauchen neue Impulse. Mit etwas Fantasie könnte man meinen, die Natur hätte uns die Schmetterlinge geschickt, damit wir unsere eigene Vision der Biosphärenreservate in der wundersamen Metamorphose der Raupen zu Schmetterlingen verstehen und verwirklichen können.

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Fast könnte man glauben, die Menschen verharren wider aller Perspektiven im „Raupendasein“. Die Menschheit lebt in vielen Kontinenten dieses „Himmelskörpers mit Leben“ eine expandierende Kultur, die zu immer mehr Konsum führt und letztlich aber Unzufriedenheit und Unfrieden sät. Wie können wir im kreativen Wandel eine Gesellschaft bauen, die weniger verbraucht? Wie kann es gelingen, dass Menschen beginnen, eine andere Art der Erfüllung zu erleben? Wie können wir einen Dialog der Völker in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Kultur etablieren – als Grundlage für den weltweiten Frieden, der Toleranz und Nachhaltigkeit?
Wir leben an einem globalen Kipppunkt in vielen Bereichen des zwischenmenschlichen Daseins und im Bereich des Zusammenlebens zwischen Mensch und Natur. Es ist an der Zeit, eine soziale Transformation anzustoßen. Wir dürfen uns darüber bewusst sein, dass in unseren Genen und Zellen, anlog zur Raupe, das Modell einer nachhaltigen, sinnvollen und eine friedenstiftende Lebensform angelegt ist. Es ist wohl eine Lebensform des „Wenigeren“, die gleichwohl ein Leben in ZuFRIEDENheit und Sinn zulässt! Sie gilt es zu kultivieren! Vielleicht ist der Flügelschlag bereits fühlbar…
„Mit der Erkenntnis einer eigenen Identität verwandelt die neue Zellstruktur den alten Raupenkörper von innen. Diese Erkenntnis ist die eigentliche Geburt des Schmetterlings. Denn damit kann jetzt jede Schmetterlingszelle ihre eigene Aufgabe übernehmen. Für jede der neuen Zellen ist etwas zu tun, alle sind wichtig. Und jede Zelle beginnt das zu tun, wo es sie am meisten hinzieht. Und alle anderen Zellen unterstützen sie darin, genau das zu tun. Das ist die perfekte Methode der Natur, einen Schmetterling zu erschaffen. Und ein wunderbares Beispiel dafür, wie eine Schmetterlingsbewegung aufzubauen ist…“ (Zitat aus dem Buch „Zukunft entsteht aus Krise”, Geseko von Lüpke)

Peter Michael Lupp, Kulturreferent Regionalverband Saarbrücken, 2016
[Portalschilder an der Autobahn im Biosphärenreservat Bliesgau, Gestaltung: Elke Birkelbach, Peter Michael Lupp]