Anbringung der Nistkästen für Mauersegler

von Marie Marsollek, Teilnehmerin im freiwilligen ökologischen Jahr (FÖJ)

Anfang September wurden wieder Nistkästen für Mauersegler an Hausfassaden angebracht und ich durfte als FÖJ‘lerin des Biosphärenzweckverbandes das Geschehen vor Ort mitverfolgen. 
Zuvor hatte ich nur einmal Kontakt mit Mauerseglern, nämlich als ein Jungvogel bei seinen ersten Flugversuchen durch mein gekipptes Fenster gegen die Wand und anschließend hinter meinen Schreibtisch flog. So kam es, dass ich an meinem Geburtstag mit einem Schuhkarton im Tierheim stand und eine Schwalbe abgeben wollte, welche eigentlich ein junger Mauersegler war. Durch die schwalbenähnliche Gestalt, besonders durch die gegabelten Schwanzfedern ging ich nicht nur von einer Schwalbe aus, ich glaubte auch später, nachdem das Missverständnis aufgeklärt wurde, dass Mauersegler und Schwalbe verwandt wären.

mauersegler
Die Mauerseglerkästen an einem der Häuser und der Hubsteiger mit dem der Einsatz bewerkstelligt wurde.

Wie Anita Naumann mir jedoch während der Anbringung der Nistkästen erklärte, gehören beide nicht einmal der gleichen Familie an, sondern haben nur eines gemeinsam: Sie sind bedrohte Gebäudebrüter.
Viele Hausbewohner ärgern sich über die Verschmutzung, welche die Nester von Gebäudebrütern mit sich bringen und durch das Entfernen der Nester, aber auch durch Dachsanierung und Fassadendämmung gehen die Bestände immer weiter zurück.
Dass das Entfernen ihrer Nester sogar illegal ist, beziehungsweise einen Ersatz des Nistplatzes als Folge haben muss, wissen viele Menschen oft nicht.
Um das Ersetzen der Nester zu erleichtern, gibt es Nistkästen, welche sich besonders für Mauersegler eignen. Genau diese wurden dank der Finanzierung der Allianz Versicherung für die Hausbesitzer kostenlos an deren Fassade angebracht. Dies wird durch das Projekt „E-Mail statt Brief“ dieser Versicherung ermöglicht: Wenn sich ein Allianz-Kunde entscheidet, anstelle von Briefen E-Mails zu erhalten, spendet die Versicherung für diesen Kunden 5€ an eines von 18 Naturschutzprojekten. Dabei darf der Kunde selbst aussuchen, welches Projekt er mit seiner Umstellung fördern möchte. 
So kam es, dass ich voller Begeisterung über die Möglichkeit, Gebäudebrüter zu schützen, samstagmorgens um acht Uhr im kalten Regen neben einer riesigen Hubarbeitsbühne stand. Diese konnte 36 Meter ausfahren und die Arbeitsbühne noch einmal extra drehen. Die ersten Hausbesitzer waren freundliche „Stammkunden“, welche bereits vier Kästen am Haus hatten und acht weitere angebracht bekommen sollten. Auch wurde Rücksicht auf die Wünsche der Hausbesitzer genommen: Die Kästen waren farblich an die Hauswände angepasst und wurden unter dem Giebel pyramidenförmig angebracht. Auch bei den nachfolgenden Häusern wurde auf den Zweck, aber auch auf die Ästhetik geachtet. Es wurde darauf geachtet, dass für die Mauersegler eine Anflughöhe von drei bis fünf Metern gegeben war und dass der Hausbesitzer nichts an der Optik zu bemängeln hatte.
Zusätzlich wurde darauf geachtet, dass die Vögel problemlos zu den Nistkästen gelangen können. Denn wenn die Tiere nicht gerade mit ca. 32 km/h in der Luft übernachten, dann fliegen sie im Kraftflug zwischen 40 bis 100 km/h schnell oder legen einen eleganten Anflug auf den Nistplatz hin, bei dem sie auf die Hauswand zufliegen und ihre Richtung in letzter Sekunde ändern, um dann mit hoher Geschwindigkeit senkrecht an der Fassade hoch zu schießen und anschließend in ihrem Nest zu landen. Genauso spektakulär verläuft der Abflug: Mauersegler verlassen ihre Nistplätze in einem regelrechten Sturzflug und erst kurz über dem Boden gewinnen sie an Höhe und beginnen zu fliegen, oder besser gesagt, zu segeln. Aus diesem Grund darf auch kein Baum, keine Markise oder ein anderes Hindernis den Anflug oder den Abflug blockieren. 
Auf dem Weg zum nächsten Haus begrüßte uns eine Frau von ihrem Balkon und machte Witze mit ihrem Nachbarn, dass die Mauersegler aus ihren Nistkästen ausziehen würden, wenn sie die neuen Nistkästen nebenan sehen würden. Zu sehen, welche Freude es der Nachbarschaft bereitete, um die Mauersegler zu wetteifern und die Vögel zu beobachten, sobald sie im Frühjahr wieder einziehen, war sehr bewegend. Die Offenheit und Herzlichkeit gegenüber den Tieren war eine erfrischende Abwechselung zu den negativen Nachrichten um den Bestand der Gebäudebrüter. 
Auf dem Weg nach Hause musste ich noch einmal an meine vermeintliche Schwalbe denken. Dank dem Biosphärenzweckverband, vogelfreundlichen Hauseigentümern und vor allem auch der Spenden der Allianz Versicherung können neue Plätze für Gebäudebrüter im Einvernehmen mit den Menschen geschaffen werden. So wird es bald mehr Gebäudebrüter in den Gärten zu sehen geben und ich hoffe sehr, dass sie alle gesund und munter an meinem Fenster vorbei segeln werden.

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